• Agile Organization

Date

14. Feb 2022

unFIX Modell - erste Eindrücke

Pesche und Dani haben sich das neue unFIX Modell von Jurgen Appelo angesehen - ihre Eindrücke.

Pesche und Dani haben in einem Austausch das unFIX Modell von Jurgen Appelo angeschaut und diskutiert.

Jurgen beschreibt sein Modell folgendermassen:

“The unFIX model is a simple tool that helps you with versatile organization design. Unlike many agile scaling frameworks and self-management methods, unFIX has its focus on continuous innovation and the human experience. It facilitates gradual change, dynamic teams, and an important role to play for managers.”

Das unFIX Modell vereint einige spannende Aspekte aus diversen Büchern z.B. “Dynamic Reteaming” von Heidi Helfand. So wird der gängige Anspruch von stehenden Teams aufgeweicht und führt uns vor Augen, dass es sich eher um eine Empfehlung und nicht um eine kosmische Konstante handelt. Jurgen sagt, dass stabil nicht mit statisch verwechselt werden soll. Teams müssen die Chance erhalten, sich einfach und möglichst schmerzfrei umzuorganisieren. Zusätzlich erhalten wir die Empfehlung, die Grösse der virtuellen und hybriden Teams (starre Co-Location war gestern) eher klein zu halten (<=5 Leute). Das Modell selber ist ohnehin eher für kleinere bis mittelgrosse Unternehmen gedacht, die sich auch nicht zwingend mit Softwareentwicklung beschäftigen müssen.

Ein Team ist eine Crew (wie auf einem Boot, in dem man gemeinsam unterwegs ist) und existiert in diversen Ausprägungen. Die Umbenennung der bekannten Bezeichnungen für diese Teamausprägungen aus dem Buch “Team Topologies” von Matthew Skelton und Manuel Pais, addiert hier, unserer Meinung nach, wenig Mehrwert. Dafür liefert uns das Konzept der Governance Crew eine Antwort auf die ewige und berechtigte Frage: “Wohin mit der Linie?” Die Aufgabe der Governance Crew besteht darin, den Teammitgliedern, die sich ja dynamisch reorganisieren sollen, die notwendige Stabilität in ihrer Linienbeziehung zu bieten und auch wirklich als Team zu funktionieren und zusammenzuarbeiten.

Jede Crew hat einen Captain der sie repräsentiert. Der Captain hat aber keinerlei Linienfunktion, trägt aber die Verantwortung dafür, wie seine Crew unterwegs ist, ähnlich dem Team Lead in DAD Modell. Der Hauptunterschied ist jedoch, dass die Rolle des Captains nicht fix ist, sondern kontextabhängig besetzt wird. Im Rahmen eines Produkt-Meetings kann ein anderes Teammitglied Captain sein (das entspricht dann der Product Owner Rolle bei Scrum) als bei einem technischen Meeting (das wäre dann vermutlich die Rolle Architecture Owner im DAD). Das unFIX Modell ist von jeglichem Middle Management befreit.

Die Experience Crew und Acquisition Crew sind spannend, weil sie Aspekte adressieren, welche meistens wenig Sichtbarkeit geniessen. Erstere kümmert sich um ein optimiertes Benutzererlebnis und letztere explizit um Mitarbeiter, Anbieter, Partner, Freelancer usw.

Die Base gib allen Crews einen Heimathafen und adressiert gleichzeigt das Zusammenarbeitsmodell der Value Stream Crews (aka stream-aligned team). Von Fully Integrated (alle Crews arbeiten am selben Produkt) bis Fully Segregated (jede Crew hat ihr eigenes Produkt) existieren vier Abstufungen, die sich primär im Grad der notwendigen Abstimmungen untereinander unterscheiden. Eine Synchronisation der Iterationen wie im SAFe erfolgt bei unFIX nur falls wirklich notwendig. Eine wichtige Funktion der Base ist das Bereitstellen von Standards und Regeln, um den Teams den minimalen Rahmen und die maximale Flexibilität bei der Reorganisation zu bieten.

Wäschst die Base und somit auch die Anzahl der Crews, beginnen sie sich lokal zu optimieren und gegenseitig zu behindern. Um dem entgegenzuwirken, können sich gleichgesinnte (über alle Crew-Grenzen hinaus) in Foren austauschen und Entscheidungen treffen. Die Themen, um die sich ein Forum kümmern kann, sind vielseitig und reichen von funktionalen, technischen, geografischen bis hin zu markt bezogenen Foren.

Alles in allem ist das Modell keine Revolution, fügt aber einzelne Puzzleteile sehr schön ineinander. Lesenswert finden wir auch Jürgens Blog-Serie Let’s Unfix SAFe, LeSS, Spotify, ...

Wir als kleines, noch relativ junges Unternehmen haben uns sehr ähnlich organisiert. Wir orientieren uns an den Grundsätzen dynamischer Netzwerke (in Anlehnung an “The Connected Company” von Dave Grey und Thomas Vander Wal) und verwenden kleine virtuelle Teams, sogenannte “Pods”. Diese können ziemlich leicht gegründet, verändert und auch wieder aufgegeben werden. Es gibt Pods die sich auf ein Spezialgebiet fokussieren und solch die übergreifende Aufgaben wahrnehmen. Wir sind gefühlt schon ziemlich flexibel und dynamisch, also “unfix” unterwegs.

Vielleicht könnt ihr bei euch auch etwas unFIXen. Wir sind gespannt auf eure Eindrücke.

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