“Also, dann zeigt es!” - I ❤︎ LEGO® SERIOUS PLAY®

Existiert etwas, das ich nicht zeigen kann? Na ja, im Zeitalter von Virtual Reality würde ich die Frage nicht rundweg mit Nein beantworten. Die Sache wird allerdings zumindest kompliziert, wenn ich in einer Gruppe ein gemeinsames Verständnis über etwas erlangen will, das ich nicht zeigen kann.

So steige ich in den Workshop ein, um mit der versammelten Gruppe in einem ersten Schritt ihre Wertschöpfungskette - so wie sie der Kunde in Zukunft erleben soll - zu beschreiben. Schon spüre ich Widerstand von einigen Teilnehmenden: “Das kennen und wissen wir ja alle bereits. Wir wollen jetzt die notwendigen Vorhaben aufschreiben und priorisieren.”. Zumindest innerlich erbleiche ich. Droht mir jetzt der Workshop schon beim ersten Schritt zu entgleiten? Bin ich so schlecht vorbereitet, wo mir doch einzelne Teilnehmende in Vorgesprächen versichert hatten, dafür gäbe es bisher keine gemeinsame Basis? Durchatmen und die Allzweckwaffe auspacken: “Also, dann zeigt es!”. Eventuell wird nun tatsächlich etwas gezeigt, das ein gemeinsames Verständnis der Wertschöpfungskette ausdrückt. In dem Fall würde ich danach mit dem Workshop-Programm bei der gemeinsamen Evaluation dieser Basis einsteigen. Allenfalls könnten wir die noch notwendigen Ergänzungen dazu definieren und anbringen.

In unserem Beispiel ist es nicht ganz so. Zwar werden nun zwei Dokumente präsentiert, die allerdings nur Teilaspekte aus jeweils spezifischen Perspektiven darstellen, und sie waren vorher auch bei weitem nicht allen Teilnehmenden bekannt. Also beginnen wir doch damit, das gemeinsame Verständnis herbeizuführen, indem wir unter Einsatz der LEGO® SERIOUS PLAY® (kurz LSP) Methode und Materialien zuerst individuelle Modelle und daraus dann ein gemeinsames Modell kreieren. Die Teilnehmenden gehen nun in der Wahrnehmung ihres gemeinsamen Verständnis schon so weit, dass sie es nicht für nötig empfinden, in einer Videoaufnahme der Erklärung des Modell zu dokumentieren. Für einmal kurz der strenge Moderator, beharre ich darauf.

Noch einmal schwinge ich den Zweihänder “Also, dann zeigt es!”. Die Gruppe soll aus individuellen Modellen ihrer Ist-Situation ein gemeinsames bauen. Allerdings herrscht nach drei Minuten auf der Platte für das gemeinsame Modell noch gähnende Leere. Die Teilnehmenden diskutieren mögliche Ansätze und Varianten der Zusammenstellung - mit der Zeit in zunehmender Anzahl paralleler Diskussionen. Mit meinem Aufruf erinnere ich sie daran, die Teile gleich in das gemeinsame Modell einzufügen. Die Diskussion lässt sich basierend auf dem Modell wesentlich einfacher führen. Und etwas anders platzieren oder entfernen ist schliesslich mit LEGO® Steinen schnell gemacht.

Jetzt entsteht das gemeinsame Modell der Ist-Situation schnell. Die Teilnehmenden dürfen nun endlich die Vorhaben auflisten, die zur Soll-Situation führen sollen. Wir bekommen bis zum Abschluss des Workshops auch eine abgestimmte Priorisierung und einen Kriterienkatalog für Umsetzungsentscheidungen und zukünftige Priorisierungen hin. Einige Teilnehmende hatten sich erhofft, wir hätten für diese Resultate bereits eine detaillierter ausgearbeitete Form aus dem Workshop heraus. Gewünscht hätte ich mir das natürlich auch, aber wichtiger ist mir, dass die erreichten Resultate wirklich gemeinsam abgestimmt sind und als Basis für folgende Schritte von allen mitgetragen werden.

Charmant bei LSP finde ich auch, dass der “Also, dann zeigt es!”-Effekt quasi auch in die umgekehrte Richtung funktioniert. Falls sich Teilnehmende beim Storytelling etwas verlieren und (endlos, gähn) über nicht sichtbare Dinge fabulieren, kann man sie mit dem Hinweis “Bleib beim Modell!” ziemlich einfach wieder zurückholen. Zumindest bei LSP gilt: was nicht sichtbar ist, existiert auch nicht. Damit gewinnt der Workshop extrem an Fokus und Zeit.

Mehr Spannendes zur LEGO® SERIOUS PLAY® Methode (inkl. der guten Bücher, die mich inspirieren): https://www.serious.global/

Lego Serious Play

André, 28.07.2020